
Als mein neuer Mitbewohner mir letztes Jahr erzählte, dass wir unbedingt zusammen auf die Hanfparade gehen müssten, habe ich zunächst einmal gelacht. Er sagte mir, dass er schon immer auf die Hanfparade gehen wollte und jetzt wo wir in Berlin wohnen würden, müssten wir unbedingt zusammen dahin gehen. Ich hörte zum ersten mal von dieser friedlichen Demonstration, aber da ich schon seit Jahren kiffe, habe ich zugesagt.
Da ich selbst direkt von der niederländischen Grenze stamme und mein Mitbewohner aus Bayern kommt, sind unsere Erfahrung bezüglich Cannabis und auch der Umgang der Polizei gegenüber Konsumenten von Grund auf verschieden. Vom Haus meiner Eltern aus ist man in 30 Minuten mit dem Auto am nächsten niederländischen Coffeeshop und immer wenn ich zuhause zu Besuch bin, fahre ich rüber, kaufe in Ruhe unterschiedlichste Grassorten mit den verschiedensten, lustigen, sympathischsten Namen, und da ich eine nette junge Frau mit Aachener Kennzeichen bin, hatte ich noch nie Probleme mit der Polizei. Ich bin heute 26 Jahre alt, habe in Thüringen studiert und lebe seit Mai in Berlin.

Ich habe das erste Mal gekifft als ich 13 war. Gekauft habe ich das Gras damals von einem befreundeten Mitschüler. Im Gegensatz zum ersten gekauften Alkohol musste ich mir beim Gras keine Gedanken machen, wo ich es kaufen konnte, es kam direkt zu mir. Wir standen auf dem Schulhof, Philipp fragte, „wer will Gras“, ich sagte, „ich“, bezahlte 10 Mark und ich hatte mein Gras. Viel aufwendiger ist es für mich seither nicht gewesen, an Marihuana zu kommen. Vor allem in Berlin hätte ich keinen Tag ohne Gras leben müssen. Und weil es für mich selbst lange Zeit so leicht war und ich mich nie wirklich kriminalisiert gefühlt habe, sah ich es nicht wirklich als notwendig an, mich diesbezüglich zu engagieren. Oder besser gesagt, ich sah es zwar als notwendig an, aber ich war einfach zu bequem. Zum einen machten das doch schon genug andere seit Jahren, zum anderen raucht eh jeder soviel wie er will. Allen voran, ich. Warum war es da überhaupt noch notwendig aktiv zu werden?

Lange Zeit habe ich mich gefragt, wie es sein kann, dass wir im Jahre 2014 über ein Thema diskutieren müssen, dessen Urteil längst gefällt ist. Ein Großteil aller Strafrechtsprofessoren hat sich vereint, um eine Petition zur Legalisierung zu erstellen, die Großstädte Deutschlands stellen Anträge auf Coffeeshops, Georg Wurth gewinnt die Millionärswahl, wir alle kennen und befürworten die Argumente. Wie kann es da sein, dass wir heute immer noch darüber diskutieren müssen, Cannabis zu legalisieren? Wir wissen, die Cannabisprohibition ist gescheitert. Sie ist absurd, nachgewiesenermaßen schädlich und viel zu teuer. Es grenzt doch an Irrsinn, dass man sogar in den USA inzwischen völlig legal Cannabis verkauft und unsere Regierung sich vollkommen ignorant gegen die Bedürfnisse und Wahrnehmung des eigenen Volkes stellt. Die Niederlande zeigen seit Jahren, dass eine andere Cannabispolitik möglich ist und es ist längst überfällig, dass auch in diesem Land eine Überarbeitung der Politik stattfindet.

Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass es an mir liegt, dass wir heute tatsächlich immer noch diese Diskussion führen müssen, denn ich habe bis jetzt einfach viel zu wenig getan. Und es ist notwendig, dass weiterhin etwas getan wird, bis der Wahnsinn ein Ende hat.
Und so kamen wir letztendlich auf die Idee, unseren eigenen Paradewagen zu organisieren.

Denn als wir letztes Jahr die ersten gemeinsamen Schritte gegangen waren, beeindruckt und überrascht, wie viele Menschen sich in einer Zeit von Politikverdrossenheit und Onlineaktivismus versammelten und die Notwendigkeit einer Demonstration erkannten, hatte ich Blut geleckt. Ich begann, von unserem eigenen Wagen zu träumen und was ich sonst noch alles tun könnte, um die Leute von der guten Sache zu überzeugen.
All das, und weil mitmachen immer spaßiger ist als zuschauen, sind die Gründe, warum ich dieses Jahr einen Paradewagen auf der Hanfparade organisiere. Damit wir hoffentlich bald und in naher Zukunft auch in Deutschland endlich legal Cannabis konsumieren können. – Alex
Wer auch Gefallen an der Idee findet, einen Paradewagen zu organisieren, findet weitere hilfreiche Informationen auf der Seite Mit einem eigenen Paradewagen teilnehmen auf der Hanfparade!












Von Anfang an habe ich kommuniziert, dass das Projekt kein Ego-Ding werden sollte und ich möglichst viele Mitstreiter um mich herum sammeln will. Mein Aufruf nach Gastautoren wurde schnell erhört und so konnte ich bald einen Artikel eines Gastautoren veröffentlichen (der mittlerweile auch fest zum Team gehört). Aktuell sind wir zu siebt und wir alle folgen der von mir gesetzten Maxime, vorurteilsfrei über die niederländische Drogenpolitik zu berichten und dabei keine eigenen finanziellen Interessen befriedigen zu wollen. Wir alle schreiben aus Überzeugung und dem Willen, etwas zu verändern – und nicht um Geld zu verdienen.
Der Wietpas selbst ist ja zum Glück Geschichte, aber die Diskriminierung bleibt in Form des „I-Kriteriums“ (Inländer-Kriterium, nach dem Ausländer nicht in Coffeeshops einkaufen dürfen) erhalten und ist auch weiterhin ein Politikum in den Niederlanden. Auch gibt es weitere Schreckensgespenster, die den Coffeeshops das Leben zur Hölle machen: Die drohende Einführung der 15% Obergrenze für THC im Cannabis der Coffeeshops, das drohende Growshop-Verbot, die nahende Transformation Amsterdams in eine Spießerhölle, sowie generelle Gesetzesverschärfungen, die der niederländischen Hanfszene das Leben erschweren. Aber auch über positive Entwicklungen, wie die Bestrebung, die „Hintertür“ der Coffeeshops zu regulieren, die Versorgungskette der Coffeeshops in die Legalität zu holen oder generelle Versuche, Cannabis komplett zu legalisieren. Die Niederlande nehmen seit Jahrzehnten eine Vorreiterrolle in der Drogenpolitik ein, doch sie rudern immer mehr zurück. Jedem sollte dabei klar sein, dass die Entwicklungen in unserem Nachbarland maßgeblich alle Legalisierungsbestrebungen in ganz Europa (und darüber hinaus) beeinflussen. Das macht das Thema so spannend.
Das Jahr neigt sich langsam dem Ende zu und alles dreht sich schon fleißig um die Hanfparade 2014. Diese wird am 9. August 2014 unter dem Motto „Grünes Licht für die Legalisierung“ wieder für die Legalisierung von Cannabis auf die Straße gehen.
Ihr seid herzlichst eingeladen, das Team persönlich oder mit euren Gedanken und Ideen zu unterstützen. Solltet ihr nicht die Zeit oder Möglichkeit haben, aktiv mitzuwirken, könnt ihr uns trotzdem helfen, indem ihr uns z.B. Vorschläge und Ideen zusendet. Diese bitte an
Zu meinem letzten Banner muss ich euch noch sagen, dass mir der Schrift- und Farbpatzer echt leid tut. Wie ihr vielleicht bemerkt habt, konnte man durch eine viel zu dünne weisse Outline die unteren Buchstaben schlecht entziffern. Ich werde es beim nächsten Banner besser machen, versprochen.




Es ist für manche Konsumenten die einzige Möglichkeit sich etwas zu besorgen, indem sie in den Park gehen und sich ein Beutelchen oder eine Handvoll Gras kaufen. Wer dies schon einmal getan hat, weiß auch wie beängstigend dieses Gefühl ist, von einer Gruppe Unbekannten angequatscht zu werden, die alle nur eines wollen, und zwar dein Geld. Oder man einem Fremden sein Geld geben soll, der dann nicht zurückkommt. Viele haben Glück und bekommen auch irgendwas als Gegenleistung, welches aber aus einer nicht bekannten Quelle stammt, oft mit Streckmittel versetzt ist, und jedenfalls nicht mal annähernd dem entspricht, was ein kontrollierter, legaler Markt an Qualität und Sicherheit bieten könnte. Aus Verzweiflung riskieren anscheinend etliche täglich ihr Leib und Leben.
Am Ende fragt man sich: „Was mach ich hier überhaupt“ oder „Wieso musste es nur soweit kommen?“. Diese Frage ist ganz leicht zu beantworten: Ich wurde quasi dazu gezwungen, mir mein Zeug aus dem Park zu kaufen, da es in Deutschland keine Anlaufstelle für Konsumenten gibt. Nein, im Gegenteil, man versucht lieber diesen Umschlagplätzen mit Razzien entgegenzuwirken.

Um das zu ermöglichen, hat uns die Leitung der Cultiva wieder einen Bereich auf der Messe zur Verfügung gestellt, der zur Hanfparade-Area wird. An unserem mit wunderschönen Hanfpflanzen von