Rückblick auf den GMM in Dortmund

Am Samstag, 9. Mai 2015, startete zum dritten Mal ein Global Marijuana March (GMM) in Dortmund. Organisiert wurde der GMM in Dortmund von den Piraten, der Grünen Jugend Dortmund, dem HammF e.V. in Werl und der Partei Die Partei, Dortmunds seriöse Alternative. Der GMM in Dortmund ist übrigens ein Kind von Steffen Geyers Cannabiskultour im Jahr 2012. Bei dieser Tour erkannten einige Dortmunder/innen, dass man auch in ihrer Stadt für die Legalisierung von Hanf demonstrieren müsse. Deshalb haben die Dortmunder/innen bei der Versteigerung von Steffen Geyer, wo er seine GMM-Auftritte zu Gunsten der Grünen Hilfe anbot, zugeschlagen. Das Grüne Hilfe Netzwerk durfte sich in der Folge über 262,- Euro Erlös freuen.

Auftaktkundgebung und Umzug

Um 14 Uhr versammelten sich die Demonstrationsteilnehmer/innen vis-à-vis vom Hauptbahnhof an der Katharinentreppe. Die Vorsitzende der Dortmunder Piraten, Nadja Reigel, konnte die Versammelten jedoch erst mit leichter Verspätung offiziell begrüßen, da der Demowagen (Lauti) von HammF e.V. mit der Musikanlage nicht rechtzeitig eingetroffen war. Zudem gab es Probleme mit dem Generator und dann wurde bemerkt, dass die Mikros fehlten. So hatten die Demonstrationsteilnehmer/innen noch Zeit, etwas zu essen und sich zu unterhalten. Mit leichter Verspätung begrüßte dann Nadja Reigel die rund 200 bis 300 Menschen und nach kurzer Ansprache startete der Umzug Richtung Westpark.

Während des Umzuges wuchs die Menge auf etwa 400 Personen an und Steffen Geyer lief zumeist mit dem Mikrofon in der Hand direkt neben dem Lauti, um bei Bedarf animierende politische Ansagen machen zu können.

Abschlusskundgebung im Westpark

In diesem Jahr wurde mit Pavillons eine ebenerdige Bühne überdacht, um auf dem GMM Dortmund musizieren und reden zu können. Nach einer kurzen Ansprache der Versammlungsleiterin Nadja Reigel begann Lars Knacken mit seinen ironischen und humorvollen Ausführungen. Er stellte sich als Vertreter der idiotischen Kiffer vor und betonte dabei, dass Kiffen nicht schlau mache. Er bezeichnete sich als Teil der Antifa unter den Substanzfaschisten und brachte das Publikum zum Lachen durch Sprüche wie: „Alles, was ihr über Cannabis wisst, ist gelogen.“ Er begründete dies mit Aussagen wie: „Hast Du Haschisch in der Blutbahn, kannst Du ficken wie ein Truthahn.“

Olaf von Die Partei fand, dass illegale Drogen cool seien und dass das geändert werden müsse, weil die Regierung vor allem uncoole Dinge legalisieren tut, so das Rauchverbot in Gaststätten, die Vorratsdatenspeicherung oder zuletzt die Maut für Automobilisten. Er bemängelte, dass die Drogenbeauftragte Marlene Mortler an der Förderung der Schattenwirtschaft arbeitete und forderte echte Chancengleichheit für alle Rauschmittel, zum Beispiel Pils (eine Biersorte) und Pilze (Zauberpilze).

Christian Seyda als Kreissprecher von Die Linke in Dortmund kam auf die Debatte im Bundestag bezüglich des Cannabiskontrollgesetzes zu sprechen und stellte die Widersprüchlichkeit der derzeitigen Drogengesetzgebung dar. Als Beispiel führte er an, dass der Konsum von Cannabis straffrei sei, der Erwerb und Besitz jedoch strafbewehrt.

Lukas Lamla von den Piraten, kulturpolitischer sowie auch sportpolitischer Sprecher der Piratenfraktion im Landtag NRW, betonte, dass Cannabis weit mehr als nur Kiffen sei. Er erläuterte, wie die mexikanische Mafia in Geldnöte wegen der Legalisierung von Cannabis in US-Bundesstaaten geraten sei und erklärte, dass unter anderem deshalb Strafrechtler und Polizeigewekschaftler für eine Legalisierung eintreten würden. Zum Schluss kritisierte er noch die Grünen, weil die immer von der Legalisierung sprechen, aber in der Realität – wenn sie in der Regierung sind – genauso repressiv agieren wie die CDU und die SPD.

Als letzter Redner trat Steffen Geyer als Szene-Stargast auf die Bühne. Zuerst wedelte er mit der mitgebrachten Spendendose in der Hand und bekundete, dass das gesammelte Geld für den nächsten GMM in Dortmund verwendet werden wird. Dann erklärte er freimütig: „Ich kiffe gern, weil es mir gut tut.“ Und in der Folge sprach er von Schmerzpatienten und anderen Patienten, denen Cannabis auch gut täte, sie es jedoch wegen der vielen bürokratischen Hürden nicht nutzen könnten. Er beklagte, dass nur wenige Menschen hier am GMM seien und betonte, dass dies der Tatsache geschuldet sei, das mehr als 10.000 Menschen im Knast sitzen für Taten ohne Täter, also Menschen, die andere nicht geschädigt haben. Und er ergänzte, dass es vielleicht nach einer Legalisierung von Cannabis weniger Nazis gäbe, da in breiten Köpfen mehr Platz für Toleranz sei. Am Schluss forderte er alle Anwesenden auf, jeden Tag für die Legalisierung zu kämpfen und nicht nur am GMM und der Hanfparade für diese zu demonstrieren.

Nach den Reden sorgten die Herbpirates mit ihrem Sound und ihren Texten für gute Stimmung. Laut Demo-Auflagen seitens der Polizei durfte immer nur so lange musiziert werden, wie vorher geredet wurde, wobei hier anzumerken ist, dass einige der Texte der Band Herbpirates politischer Natur waren. Eine solche Auflage ist natürlich rechtswidrig. So entschied das Bundesverwaltungsgericht im oft zitierten Fuckparade-Urteil, dass sich der Schutzbereich der Versammlungsfreiheit auch auf solche Veranstaltungen erstrecke, die ihre kommunikativen Zwecke unter Einsatz von Musik und Tanz verwirklichen. Dies sei immer zu bejahen, wenn diese Mittel zur kommunikativen Entfaltung mit dem Ziel eingesetzt werden, auf die öffentliche Meinungsbildung einzuwirken. Offenbar haben nicht nur Kiffer Probleme mit der Respektierung von Gesetzen und Gerichtsurteilen, sondern auch Polizei.

Die Videos von den Reden und der Darbietung der Herbpirates wurden von Robert Brungert aufgenommen. Er schreibt für die Zeitschriften Soft Secrets und das Hanf Magazin. Dort wurde auch sein Artikel „Der GMM Dortmund zum dritten Mal mit noch mehr Erfolg“ publiziert.

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