Poster der Hanfparade 2016

20 Jahre Hanfparade – Legalisierung liegt in der Luft

Am Samstag demonstrieren in Berlin zum 20. Mal Menschen für die Legalisierung von Cannabis. Zur Jubiläumsausgabe der Hanfparade erwarten die Veranstalter mehr als 10.000 Hanffreunde.

Poster der Hanfparade 2016

Seit 1997 findet in Berlin mit der jährlichen Hanfparade die größte deutsche Demonstration für die Legalisierung von Cannabis als Rohstoff, Medizin und Genussmittel statt. Die Feierlichkeiten zum runden Geburtstag beginnen um 13 Uhr auf dem Washingtonplatz (Hauptbahnhof). Im Anschluss führt der Umzug unter dem Motto “Legalisierung liegt in der Luft” über das Bundeskanzleramt, den Reichstag und das Bundesgesundheitsministerium. Begleitet wird das Politikspektakel von einem Dutzend bunten Paradewagen mit Musik von Schlager bis Techno. Höhepunkt der Hanfparade ist die ab 16 Uhr vor dem Roten Rathaus stattfindende Schlusskundgebung mit Livemusik, Reden, Infoständen und allerlei hanfigen Überraschungen.

Als die Hanfparade von zwei Jahrzehnten auf dem Höhepunkt der “Generation Fun” das Licht der Hauptstadtwelt erblickte, hielten Viele sie für eine billige Kopie der Loveparade. Die Ernsthaftigkeit ihres Anliegens bestreitet heute indes niemand mehr. Im vergangenen Jahr wurde sie von der Taz gar zur “politischsten Demo Berlins” erklärt. Die aus dem ganzen Bundesgebiet und mehreren europäischen Ländern anreisenden 10.000 Teilnehmer eint der Wunsch nach einem Ende im “Krieg gegen Cannabis”, das sie als universellen Rohstoff, natürliche Medizin und risikoarmes Genussmittel preisen.
Unterstützt wird der Ruf nach Hanffreigabe inzwischen von Grünen, Linken, Piraten und der FDP. Selbst bei den Sozialdemokraten wird Anno 2016 heftig über den Sinn und die Schäden des Cannabisverbots diskutiert. Angefeuert wurde die Debatte vor allem von den Erfahrungen in anderen Ländern. So verzeichnete Portugal nach der Entkriminalisierung vor 10 Jahren eine deutliche Abnahme drogenspezifischer Gesellschaftskosten, in Spanien und Belgien gehören Cannabis Social Clubs mittlerweile zum Alltag. Wenn von den üppig sprudelnden Hanfsteuereinnahmen in den US-Bundesstaaten Colorado und Washington die Rede ist, kriegen Haushaltspolitiker auch hierzulande feuchte Augen. Kein Wunder also, dass die Hanfparade-Macher auf rasche Veränderungen der Drogengesetze dringen. Sie sind davon überzeugt, so Versammlungsleiter Steffen Geyer, dass “legales Cannabis weniger Schäden verursachen würde, als es das seit 45 Jahren geltende Verbot tut.” Zum Glück sei die Zeit reif für einen Neuanfang in Sachen Hanf.

“Wenn selbst die Lindenstraße zeigt, dass Patienten Cannabis illegal anbauen müssen, weil ihnen der Staat den Zugang zur lebensrettenden Medizin verweigert, dann wird es für Prohibitionisten schwer, uns pauschal als weltfremde Hippies abzukanzeln” so Geyer weiter.

Statt Abermillionen in Polizei und Gefängnisse zu investieren will die Hanfparade “durch Legalisierung echten Jugend- und Verbraucherschutz ermöglichen” so Steffen Geyer “Wir sind die erste Bürgerrechtsbewegung die darum fleht, Steuern bezahlen zu dürfen.” Die mindestens vier Millionen deutschen Kiffer würden mit ihrem Hobby, so Schätzungen des Deutschen Hanf Verbandes, rund zwei Milliarden Euro Cannabissteuern erwirtschaften. Noch einmal so viel Geld an Sozialabgaben wäre möglich, wenn aus Dealern und Drogenbauern zukünftig ehrbare Geschäftsleute würden. “Geld das in den USA Kindergärten und Schulsanierungen finanziert, wird in der Bundesrepublik sehenden Auges in schwarze Kassen gespült.” so Geyer.

Die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler sieht indes keinen Bedarf nach einer Legalisierung. In der Bundespressekonferenz erklärte sie: “Eine Aufhebung des Verbots wäre eine Verharmlosung der Droge. Dieses falsche Signal wird die Bundesregierung nicht senden.” Es wird also auch 2017 noch eine Hanfparade geben müssen.

Für Ihre Fragen zur Hanfparade oder zum Thema Legalisierung steht Ihnen der Versammlungsleiter Steffen Geyer gern per Telefon 0178/6594399 oder per Email an info@Hanfparade.de zur Verfügung.

Wanted: Promo Action Heros und Helping Hands gesucht

Liebe Freund*innen der Hanfparade,

wir sind jetzt langsam an der Zielgeraden, in 14. Tagen ist es soweit! Bis dahin haben wir noch Einiges zu tun und euer Engagement ist gefragt.

Wir brauchen dringend eure Hilfe, damit die Veranstaltung in den nächsten zwei Wochen präsent ist in der Stadt! Wir brauchen Menschen, die in den nächsten zwei Wochen Plakatieren und Flyern gehen. Egal wo ihr unterwegs seid, Flyer und Sticker können da sicherlich auch verteilt werden. Das nötige Material kann man sich im Hanfmuseum abholen.

In der Facebook Gruppe zur den Helping Hands kann man auch nach Mitstreiter*innen suchen für solche Aktionen, denn gemeinsam macht das mehr Spaß.

Am heutigen Samstag ab 15 Uhr kann man sein kreatives Potential entfalten und beim Demo-Schilder-Malen helfen im Hinterhof des Hanfmuseums. Wir hoffen, das Wetter hält.

Dienstags ab 18:30 könnt ihr gerne auch ins Café des Museums kommen, wir verteilen dann noch weitere kleine Jobs für die wir noch Helfende Hände brauchen in den nächsten zwei Wochen. Kommt vorbei und bringt gleich weitere interessierte Freunde mit! Zu tun gibt es noch genug!

Auf der Parade selber ist euer Einsatz dann am meisten gefragt. Am Mittwoch den 10. August machen wir dann ein Helping Hands Treffen. Da werden wir mit euch den Schicht- und Zeitplan mit euch durchgehen und letzte Fragen zu dem, was zu tun ist beantworten. Wir werden bis dahin einen Schichtplan entwerfen anhand eurer Rückmeldungen auf das HelpingHand-Formular. Hoffentlich können wir dann die restlichen Lücken auch schließen.

Wir brauchen aber noch eine Menge mehr Helping Hands, daher auch die Bitte: ladet noch Freunde in die Facebook Gruppe ein oder sagt ihnen sie können gleich das Formular mit ausfüllen oder bringt sie Dienstags mit ins Museum oder am Mittwoch vor der Hanfparade zum Helping Hands Treffen. Jede Hilfe wird gebraucht!

So weit erstmal für heute, in den nächsten Tagen gibt es weitere Updates. Vielleicht sieht man sich heute Nachmittag im Museum noch zum Basteln?

Zwischen Parkverbot und grünem Meer – 20 Jahre Hanfparade (Teil 3)

In den zwei Jahrzehnten, die die Geschichte der Hanfparade inzwischen umfasst, wurde es nie langweilig, Deutschlands größte Legalisierungsdemo zu organisieren. Der Euphorie der Neunziger folgte mit dem Jahrtausendwechsel die Ernüchterung, doch das schwerste Stück Weg lag noch vor den OrganisatorInnen.

Das Jahr 2004 war für deutsche HanffreundInnen kein Gutes. Konflikte und Verdrängungskämpfe in der Szene brachten ein Messesterben, ließen Vereine implodieren und so manchen Aktiven nach neuen Aufgaben Ausschau halten. Die Stimmung in der Bevölkerung, die zehn Jahre zuvor geradezu hanfeuphorisch war, hatte sich gedreht, was nicht zuletzt der Spiegel-Titel “Die Seuche Cannabis” für jeden sichtbar machte.
Auch die Hanfparade-MacherInnen spürten die Veränderung. Erstmals kamen weniger als Zehntausend, der Hanfmarkt war auf wenige Stände geschrumpft, nur die Parteien stellten noch Paradewagen.

Unschöner Höhepunkt der Demonstration war die Verhaftung der Kinder des Hanfverarbeiters Rainer Nowotny. Die damals 8 und 11 Jahre “alten” ÜbeltäterInnen saßen unerlaubt in einem mit Nutzhanf gefülltem PKW und hatten (ACHTUNG! Gefahr!) “einzelne Blätter der [rauschunwirksamen] BtM-verdächtigen Pflanzen durch das halb geöffnete Fenster an Hanfparade-TeilnehmerInnen abgegeben, ohne dabei einen finanziellen Vorteil anzustreben”.
Die beiden strafunmündigen JungbürgerInnen, deren Lebensmittelpunkt eine Hanffaserfabrik in der Uckermark ist, die täglich von Abertonnen Cannabis umgeben sind und es als das Normalste der Welt empfanden, freundlich fragenden Menschen fingerförmige Blätter zu schenken, sahen sich plötzlich mit schreienden, nach der Waffe greifenden Uniformierten konfrontiert. Sie wurden mit Kabelbinder gefesselt und zum Revier verfrachtet, ohne dass der zur Tatzeit nur wenige Meter entfernte Vater eine Möglichkeit gehabt hätte, sie zu trösten oder zu beruhigen.

Zum Glück ahnten die übereifrig agierenden Beamten nicht, dass sich das verabscheuungswürdige Verbrechen im Kinderland auf der Abschlusskundgebung hundertfach wiederholen sollte. Alle NutzhanffreundInnen zu verhaften, wäre an diesem Tag wohl logistisch unmöglich gewesen.
Nach der Zukunft befragt, sagte Versammlungsleiter Steffen Geyer damals, “man frage sich im OrganisatorInnenkreise inzwischen nicht mehr ob sondern nur noch wie die Polizei sich 2005 daneben benehmen werde”.

Ausnahmsweise war es im Jahr danach jedoch das Umweltamt, das der Hanfparade Steine in den Weg legte. Nur drei Tage vor dem Event verbot es die Abschlusskundgebung, weil “unkalkulierbare Schäden am Austragungsort Mauerpark” befürchtet wurden. Statt Bühnenprogramm, Hanfkultur und politischen Spaß erwartete die lediglich rund 1.000 TeilnehmerInnen zur Schlusskundgebung eine selbst für Anwohner unpassierbare Polizeiabsperrung. Da sich die TeilnehmerInnen trotz gegenteiligen polizeilichen Lagebildes nicht provozieren ließen, fragte das Neue Deutschland am Tag danach zu Recht, ob eine Handvoll Rasensamen für das Land Berlin nicht deutlich billiger gekommen wäre. Die Polizei rechtfertigte ihr Auftreten mit “Gegenprotesten”, die es tatsächlich gegeben hatte. Ein gutes Dutzend Punks baute in der Kastanienallee eine kleine, feine, lautstarke Straßenblockade auf. Als sich die Hanfparade näherte, skandierten sie “Keine Steuer, sonst wird Gras zu teuer!” und “Anarchie statt Legalisierung!”. Nach der die Beamten völlig konsterniert zurücklassenden Aktion sickerte die bunte Truppe ebenso gutgelaunt wie friedlich in den Zug ein.
Von so viel kreativem Protest angestachelt, nahm das Konzept der inzwischen 10. Hanfparade Gestalt an.

Alt-Schulden, Besucherschwund, Polizeischikanen – Die Vorzeichen für die Jubiläumsparade 2006 standen nicht gut. Im Orgateam machte sich indes nicht Frust sondern Trotz Luft. Torsten Dietrich plante Großes. Eine handvoll Freiwilliger “besetzte” einen ungenutzten Bereich der Hanffaserfabrik und produzierte 10.000 Hanfpflanzen in Töpfen, die auf Paletten verladen, nach Berlin gekarrt, als Dekoration auf der Hanfparade 2006 dienen sollten. Intensive Vorgespräche mit der Polizei und umfänglicher Briefwechsel mit Bundesinnenministerium sowie der Berliner Innenbehörde folgten. Am Ende schien alles “legal”. Leider wusste Kriminalkommissar Freund (ja, so hieß er wirklich) nicht Bescheid und bekam beim samstäglichen Spaziergang am Brandenburger Tor beinahe einen Herzinfarkt als er das grüne Meer erblickte.

Die Volksgesundheit im Auge und mit der Karriere im Blick witterte er ein groß angelegtes Programm zur Verbreitung von Drogenpflanzen. Kurzentschlossen telefonierte er eine Stunde mit der Staatsanwaltschaft, bis endlich der Befehl zum Abschneiden der Betäubungsmittellieferanten erteilt wurde. Arme unschuldige PolizistInnen wurden daraufhin Opfer heimtückischer Pflanzen, deren Fasern Taschenmesser und Würde der Beamten beschädigte. Die zum Schutz der Allgemeinheit durchgeführte Abholzung war derart offensichtlich bescheuert, dass sogar die Springerpresse Zweifel an der Nüchternheit der Entscheider anmeldete.
Einen nachhaltigen Effekt hatte die Aktion indes. Sie war der Tropfen, der das seit Jahren mit Schulden gefüllte Faß des Bündnis Hanfparade e.V. zum Überlaufen brachte. Der Verein musste Insolvenz anmelden und es sah lange so aus, als wäre es das für Deutschlands traditionsreichste Hanfdemo gewesen.

Es ist nur Martin “Tribble” Steldinger zu verdanken, dass der Artikel an dieser Stelle nicht abrupt abbricht. Im Mai 2007 fasste sich der umtriebige Berliner ein Herz und verkündete: “Es darf nicht sein, dass es keine Hanfparade gibt. Zur Not mach ich’s halt alleine.” So weit musste er dann zum Glück nicht gehen, aber ohne seine Initiative hätte sich das neue Organisationsteam rund um den JaKiS e.V. wohl nie gefunden. So ging es mit neuer WoMenpower in die inzwischen 11. Auflage der Hanfparade.
Vorhersehbar hielt die Polizei an der in den Vorjahren leider allzu erfolgreichen Strategie der TeilnehmerInnenschikanierung fest und ergänzte die Liste der Merkwürdigkeiten um die Festnahme eines Mannes wegen “der Verwendung verfassungsfeindlicher Zeichen”, an dessen indischem Sari sich Sonnenräder (Hakenkreuze) befanden. Die Schlusskundgebung wurde von der überpräsenten Polizei so lange gestört, bis Martin sie abbrechen musste.

Damit sich Dergleichen im Folgejahr nicht wiederholen kann, zog die Hanfparade 2008 ins YAAM, einen bekannten Berliner Reggae Club. Die Polizei (zumindest in Uniform) musste draußen bleiben, schließlich befand man sich auf Privatgelände. Obschon dies von manchen SzenevertreterInnen heftig kritisiert wurde, war “die Flucht ins Private” nicht der Aufreger des Tages.

Den lieferte der Landeschef der Jungen Liberalen als er (gegen die Parteilinie) in einer Presseerklärung die Legalisierung von Kokain forderte und dies im Rahmen seiner Rede auf der Hanfparade wiederholte. Die OrganisatorInnen, die für die Aussage objektiv nichts konnten, wurden im Anschluss aus der deutschen Hanfszene u.a. als “polytoxe Freaks”, “Koksparadenmacher” oder “Technojunkies” bezeichnet, die “das Erbe von Jack Herer auf dem Aufmerksamkeitstrich verschleudern” und “die Legalisierung verraten haben”.
Allen Abgesängen zum Trotz machte sich das Orgateam daran, auch 2009 eine Hanfdemonstration auf die Straße zu bringen.

To be continued…

Mit dem Hanfblock auf dem CSD 2016

Am Samstag dem 23. Juli war eine kleine aber feinen Gruppe von Hanfaktivist*innen aus dem Hanf Museum, der Hanfparade dem Deutschen Hanfverband und weiteren Hanffreund*innen auf dem CSD Berlin. Zusammen haben wir uns hinter dem Wagen von Amsterdam Euro Pride und der Kanadischen Botschaft in die Demo eingereiht. Nach dem Motto: „Canada legalisiert, die BRD hoffentlich bald auch. Legalisierung liegt in der Luft!“ sind wir gemütlich hinter diesem andauernd hüpfenden Wagen gelaufen.

Mit einem wunderschönen kleinen Fahrradwagen, der liebevoll in Handarbeit von Aktivist*innen des Hanfmuseums und der Hanfparade gestaltet worden ist, sind wir als kleiner „Hanfblock“ tanzend und Flyer verteilend beim CSD Berlin mitgelaufen. Der mit echten Nutzhanfstroh geschmückte Wagen hat viel Aufmerksamkeit für unsere Gruppe erzeugt. Wir wurden von den an der Demo-Route entlang stehenden Menschen viel fotografiert. Viele Menschen haben auch gezielt das Hanfparade Plakat abfotografiert. Somit konnten wir mit unseren Flyern und Plakaten auch auf die 20. Hanfparade aufmerksam machen. Wenn ihr Fotos von unserer hanfigen Gruppe gemacht habt, teilt sie auf Facebook und Twitter #Hanfparade!

Uns ist als Gruppe viel Sympathie und sogar Begeisterung gezeigt worden. Weitere Menschen sind zweitweise auch mit uns mitgelaufen und haben „den Duft der Legalisierung“ genossen. Viele haben sich gefreut uns auf der Parade zu sehen und haben auch unser Anliegen bejubelt. Unsere Flyer wurden sehr gut angenommen, teilweise wurde auch aktiv danach gegriffen.

Wie die queere Szene kämpfen wir als Hanfparade, Hanfmuseum und Hanfverband ja auch für Bürger*innen und Menschenrechte. Darum haben wir uns mit den Forderungen des CSD Berlin solidarisch erklärt und sind bei der Demo mit einer eigenen angemeldeten Fußgruppe mitgelaufen. Vielleicht solidarisieren sich auch von der queeren Szene Menschen mit unserem Anliegen. Wir wollen Cannabis legalisieren, damit auch Cannabis-Konsument*innen gleiche Bürger*innenrechte haben, wie Konsument*innen legaler Drogen und nicht mehr kriminalisiert und stigmatisiert werden.

Danke an den CSD Berlin – es war ein Spaß mit euch! Kommt am 13. August zur Hanfparade! Wir freuen uns auf euch.

  • Unter der Überschrift „Danke für Nix“ haben Hanfparade, Hanfmuseum und Deutscher Hanfverband zur solidarischen Teilnahme am CSD Berlin aufgerufen!
  • Mehr Fotos vom CSD 2016 gibt es auf CheckToys (auf dem Bild 170 sind wir drauf)
  • Usere Aktion hat es in den Bericht des RBB geschafft ab Minuten 23:45
  • Auch im Livestream des RBB konnte man den Hanfblock bewundern ab 5:15
Hanfparade2000 - Was würden Sie wählen...

Neues Jahrtausend, neues Glück? – 20 Jahre Hanfparade (Teil 2)

Wer die Geschichte der Hanfparade erzählen will, muss inzwischen mehr als zwei Jahrzehnte zurück blicken. Zur Jahrtausendwende stand der Veranstalerverein vor dem klassischen Dilemma ehrenamtlicher Arbeit – alle wollen’s, aber keiner will’s bezahlen.

Hanfparade2000 - Was würden Sie wählen...

Die Milleniumsparade blieb indes nicht aus politischen oder fiskalen Gründen im Gedächtnis. Keiner der laut Veranstalterangaben 60.000 TeilnehmerInnen hat wohl vergessen, wo er sich am 19.8.2000 gegen 19:30 Uhr befand. Zu diesem Zeitpunkt öffnete der Himmel seine Schleusen und zertrümmerte mit beinahe golfballgroßen Hagelkörnern Regenschirme, Autoscheiben, Infostände und die Musikanlage der Hanfparade-Bühne. Mitten im heiß ersehnten Auftritt der Hamburger HipHop-Combo “5 Sterne Deluxe” rannte alles was Beine hatte um sein Leben. Hanffreunde drängten sich dicht an dicht im Hagelschatten des Brandenburger Tors, Dutzende enterten sogar die Polizeiautos. Obwohl der Spuk kaum eine Viertelstunde währte blieb den OrganisatorInnen danach nur der Abbruch.
Die 2000er Parade hatte aber auch ihr Gutes. Neues Blut im Orgateam brachte Mut zur Veränderung und sicherte eine Neuauflage Deutschlands größten Legalizeevents im Jahr 2001.

“Kein Krieg gegen Pflanzen” war damals das Motto und international die RednerInnenliste. Mit Alan Dronkers aus den Niederlanden, Dana Beal aus den USA und dem Schweizer André Fürst griffen weltweit bekannte Szenegrößen zum Mikrofon. Auch musikalisch geschah “historisches”. Die Berliner HipHop-Band Spezializtz weigerte sich, ihren Auftritt zum Schluß der Hanfparade pünktlich zu beenden. Minute um Minute verstrich und mit der Polizei wurden die VeranstalterInnen unruhiger. Als schliesslich ein mutiger Beamter die Bühne betrat und per Mikrofon zum Gehen aufrief, eskalierte die “friedlichste Demonstration Berlins” (taz) zum ersten und letzten Mal ihrer Geschichte.
Wie im Vorjahr die Hagelkörner regnete es Dosen und Flaschen auf die Bühne. Wenn nicht ein Techniker kurzentschlossen den Strom abgestellt hätte, wer weiß welchen Schaden die aufgeheizten Rapfans angerichtet hätten. Zum Glück war die Hanfparade 2001 versichert und es gab außer blauen Flecken keine Personenschäden.

Hanfparade 2002 - Sträflinge

Um diese unschönen Szene möglichst schnell vergessen zu machen, zog die Hanfparade im Folgejahr an einen neuen Zielort. Wieder war ein Wahljahr und damit Hoffnung auf spürbare Veränderungen. Wieder war Wahljahr und damit Angst vor leeren Versprechen.
Am Ende war es aber keine wohlgeschliffene Politikphrase, die der Hanfparade 2002 einen Platz in der bundesrepublikanischen Geschichte einbrachte. Sein von Stephan Raab mittels Charthit unsterblich gemachtes “Gebt das Hanf frei! Und zwar sofort!” rief der Grüne Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele bereits vor dem offiziellen Beginn in Richtung der Polizei, als die einige Dutzend Pflanzen der Hanffaser Uckermark beschlagnahmte. Nebenbei machte mit dem Deutschen Hanf Verband (DHV) eine Legalisierungs-Lobbyfirma auf sich aufmerksam, die nur wenige Monate vorher gegründet worden war. Zwei Jahre polizeiliche Ermittlungen und Gerichtsverfahren später war klar – Der Hanf ist frei zu geben – und Georg Wurth holte 630 Gramm Cannabis beim LKA Berlin ab.

Da auch die Bundestagswahl im Herbst danach keinen Fortschritt in Sachen Legalisierung brachte, traten die HanfparademacherInnen im Jahr 2003 erneut in die Öffentlichkeit. Vor dem Bundesfinanzministerium wollte man erstmals starten – mit dem behördlichen Echo auf diese Entscheidung hatte niemand gerechnet. Und so begann der Tag mit dem wohl massivsten Polizeieinsatz wegen Cannabis in der deutschen Geschichte. Nicht weniger als vier Hundertschaften, eine sogar extra aus Sachsen angereist, begleiteten den Demozug mit Ganzkörperpanzerung, Helm und Schlagstock. Erniedrigende Durchsuchungen aller TeilnehmerInnen im strömenden Regen, Schikanen gegen WagenbetreiberInnen, versuchte Zensur polizeikritischer Redebeiträge – Selten begann eine Legalizedemo so angespannt wie diese.
Gerecht haben sich die Hanfparade-TeilnehmerInnen auf sehr charmante Weise. Irgendjemand nutzte die auf Sportzigaretten fixierte Aufmerksamkeit der Uniformträger und verschönerte das Bundesverteidigungsministerium im Vorbeigehen mit einem gut zwei Meter messenden Peacezeichen. Die Feldjäger schäumten, Farbproben wurden genommen, fast zwei Jahre polizeilich ermittelt, einen Schuldigen fand man indes nie 🙂

Leider hielt die Polizei in den folgenden Jahren (Teil 3) an der Schikanestrategie fest.

Leitbanner der Hanfparade 1997

20 Jahre deutsche Cannabisgeschichte – 20 Jahre Hanfparade (Teil 1)

Wer die Geschichte der Hanfparade erzählen will, muss inzwischen mehr als zwei Jahrzehnte zurück blicken. Dass sie nach so langer Zeit noch immer gebraucht werden würde, hätte bei ihrer Erfindung niemand gedacht.

Mitte der Neunziger schwappte eine nie dagewesene Hanfwelle durch die Bundesrepublik. Dank der “Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf” und der Erkenntnis, dass das Cannabisverbot wenig bis nichts mit den gesundheitlichen Risiken des Konsums aber jede Menge mit Rassismus und kapitalistischer Verdrängungslogik zu tun hatte, wuchs ein Legalisierungspflänzchen heran, dessen Same bereits Ende der Sechziger gelegt wurde.
In Deutschland entstanden ab 1994 in kurzer Zeit mehrere hundert Headshops. Longpapers fanden sich plötzlich in jedem Tabakladen. Beinahe täglich wurden Ideen Realität, die noch zum Mauerfall undenkbar waren. Nutzhanffelder wurden wieder Teil der deutschen Landschaft. In Berlin trat eine Hanfpartei zu Kommunalwahlen an und erzielte Achtungserfolge. Allein die Präsenz von Fachzeitschriften für ambitionierte HanfanwenderInnen war damals vielerorts ein Skandal.

Leitbanner der Hanfparade 1997

Was Deutschland fehlte, da waren sich eine knappe Handvoll BerlinerInnen im Frühjahr 1997 sicher, war eine große Demonstration, die dieser neuen Graswurzelbewegung ein Gesicht verlieh. So politisch wie die Friedensmärsche sollte sie sein und gleichzeitig so viel Spaß machen wie die Loveparade – Halt eine Hanfparade. Mit Musik und Reden und Markt sowie viel Herzblut wollten Petra, Dirk und Gert helfen, Hanf zu legalisieren. “Für Cannabis als Rohstoff, Medizin und Genussmittel” war denn auch das Motto des frisch gegründeten Bündnis Hanfparade e.V.; “Mit Hanf in die Zukunft” der Slogan der ersten bundesweiten Legalisierungsdemo.
Der Erfolg der Bemühungen, rund 20.000 Menschen beteiligten sich an der Hanfparade 1997, machte Hoffnung auf politischen Rückenwind im Wahljahr 98.

Wir versprechen grüne Landschaften - Wahlplakat der Grünen zur Bundestagswahl 1998

Kaum jemand zweifelte damals daran, dass die Legalisierung nur eine Fragen von Monaten sei. Helmut Kohls CDU wehrte sich zwar noch nach Kräften und verbot den Verkauf von Hanfsamen, doch die Ära des “Kanzlers der Einheit” ging unübersehbar zu Ende. Die Sozialdemkraten brachten im Mai 1998 sogar einen Gesetzesvorschlag ein, der den Besitz von 30 Gramm Cannabisprodukten straffrei gemacht hätte. Die Stimmung auf der vier Wochen vor der Bundestagswahl stattfindenen Hanfparade’98 war deshalb mehr als Ausgelassen. Fast 30.000 Menschen feierten die zum Greifen nah scheinende Befreiung vom Hanfverbot.
Zwei Monate und viele viele Wählerstimmen für den Rot-Grünen-Politikwechsel später, kam das verkaterte Erwachen.

Noch in den Koalitionsverhandlungen machte die SPD der Legalisierungsbewegung einen Strich durch die Rechnung. Noch nicht einmal reden durften die Bündnisgrünen über das Thema. Die Probleme der Millionen CannabiskonsumentInnen waren auf einmal unwichtig. Selbst das vom Rest der Welt belachte Samenverbot wollte die Regierung Schröder plötzlich nicht wieder aufheben.

Die daraufhin massiv einbrechenden Umsätze der deutschen Headshops und wachsende Schwierigkeiten, Sponsoren für das Event zu finden, waren indes längst nicht die einzigen Sorgen der OrganisatorInnen. Die Versammlungsbehörde verbot der Hanfparade’99 mit dem “Hanfmarkt der Möglichkeiten”, einer Art Open-Air-Hanfmesse auf der Schlusskundgebung am Brandenburger Tor, das zweite monetäre Standbein des Events. Dass mit rund 40.000 TeilnehmerInnen noch einmal mehr als im Vorjahr kamen, konnte nur Wenige über die finanzielle Schieflage des Bündnis Hanfparade e.V. hinweg trösten.
Einmal wollte man das Wagnis noch eingehen. Das neue Jahrtausend sollte nicht ohne Hanfparade beginnen.

Weiter geht es in Teil 2 mit den wilden Jahren nach dem Jahrtausendwechsel.

Hanfparade-Orgateam - dramatisierte Darstellung

Schon wieder demonstrieren? Was bringen Hanfparaden?

Am 13. August findet in Berlin die 20. Hanfparade statt. Zwei Jahrzehnte die ewig gleichen Forderungen. Zwei Jahrzehnte die gleichen Versprechen. Wie viel Geld da wohl verbraten wurde? Wie viel Lebenszeit in den Dekaden wohl ans Demonstrieren verschwendet wurde? Und was hat es gebracht?

Hanfparade-Orgateam - dramatisierte Darstellung

“Was hat die Hanfparade uns jemals gebracht? Was?” ist denn auch eine der häufigsten Fragen, die man als Organisator Deutschlands größten Legalize-Events zu hören bekommt. Mich erinnert das stets an “Life of Brian“, weil für uns Hanfparade-MacherInnen die Antwort auf der Hand liegt.

Also: “Was haben die Römer… ehm… die Hanfparade uns jemals gebracht?”

Aufmerksamkeit der Medien. Vor, während und nach der Hanfparade wird vielfältig über CannabisnutzerInnen und ihre Probleme berichtet. Allzu oft bestimmen Zollfahnder und Kriminalbeamte das Bild, das von uns HanffreundInnen medial gemalt wird. Die Hanfparade bietet farbenfrohe Alternativen.

Brücken zwischen Hanfanwendern. Was kleinen Veranstaltungen schwer fällt, auf der Hanfparade ist es möglich, die unterschiedlichen Interessen der AnwenderInnen von Cannabis als Rohstoff, Medizin und Genussmittel zu vereinen. Nur in Berlin streiten BäuerInnen, PatientInnen und FreizeitkifferInnen Seite an Seite.

Inkubator für Legalisierungsarbeit. Wer Ideen für Kampagnen oder neue Vereine vorstellen, wer MitstreiterInnen für den regionalen Kampf um Hanf sucht, wer sich und sein Engagement in Sachen Cannabis deutschlandweit bekannt machen will, findet auf der Hanfparade tausende interessierte Gleichgesinnte. Nirgendwo sonst kann man mit einem Infostand so viele Legalisierungswillige in so kurzer Zeit erreichen.

Poster der Hanfparade 2016

“Ok. Ok. Aber abgesehen von der Aufmerksamkeit der Medien und den Brücken zwischen Hanfanwendern und der erleichterten Legalisierungsarbeit. Das versteht sich ja von selbst. Aber sonst? Was hat die Hanfparade jemals für uns getan?”

Familientreffen der Szene. Zwischen Flensburg und Bodensee wird heute vielerorts legalisiert. Trotzdem haben ungezählte HanfliebhaberInnen im Alltag das Gefühl, mit ihrer Leidenschaft allein zu sein. Die Hanfparade bietet euch seit 20 Jahren die Chance, sich einmal im Jahr als Teil einer echten Bewegung zu fühlen. Wenn -Legalisierung jetzt!- aus zehntausend Kehlen erschallt, gibt das nicht nur EinzelkämpferInnen Kraft für viele viele Stunden Engagement vor der eigenen Haustür.

“Ja gut. Das stimmt. Das mit dem Familientreffen macht die Hanfparade schon ganz gut. Aber sonst?”

Professionelle Präsentation der RednerInnen. Mediale Aufmerksamkeit für hanffreundliche PolitikerInnen. Und eine Vielzahl Slogans wie -Wir sind Hanf-. Und kostenlose Konzerte von Götz Widmann bis 5 Sterne Deluxe. Und jede Menge extrem tanzbare Musik an den Paradewagen. Und eine Speakers Corner.

“Also gut. Die ganzen Mediengeschichten und das Vernetzen der Szene und das Unentschlossene nach so’nem Event Bock auf’s Legalisieren haben. Und das Fördern der Hanfkultur und so. Alles sicher richtig. Aber was bringt die Hanfparade mir?”

Auf der Hanfparade macht demonstrieren Spaß!

“Ach komm. Spaß? Halt die Klappe!”